Lächeln mit der Tastatur: 30 Jahre Smileys

Alternativetext Smiley Montage: SR

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht. Jedes Kind kennt diesen Spruch. Wer häufig SMS schreibt oder Chatprogramme wie Skype oder ICQ benutzt, benutzt vor allem eine etwas andere Zeichenfolge: Einen Doppelpunkt, gefolgt von einem Bindestrich und einer Klammer. Das klingt ausgeschrieben vielleicht etwas kryptisch, aber wer diese Kombination beispielsweise auf dem Computer oder dem Handy eingibt und dann seinen Kopf zur Seite neigt, kann mit etwas Fantasie tatsächlich fröhliche … :-) … oder traurige … :-( … Gesichter erkennen, so genannte Smileys. In diesem Monat feiert dieses Symbol schon seinen 30. Geburtstag. Ein Beitrag für das Magazin Töne, Texte, Bilder von WDR5, gesendet am 22. September 2012.

Die Altersgrenze verläuft irgendwo zwischen 30 und 40. Wer älter ist, den erinnert die Zeichenfolge „Doppelpunkt – Bindestrich – Klammer-zu“ meist eher an Buchstabensalat. Die meisten jungen Leute können es dagegen fast immer auf Anhieb einordnen:

“Das ist ein Smiley, der auf der Seite liegt!” – “Ein Smiley!” – “Ich denke das ist ein Smiley!” – “Das soll so eine Art Smiley sein!” – “Ja, das ist ein Smiley!” – “Bei SMS oder E-Mails kann man damit seine Emotionen ausdrücken!” – “Also wenn ich irgendwie was weiß ich, bei Facebook schreibe, dann verwende ich den halt.” – “Das man sich freut, oder das man irgendwas lieb meint.” – “Der sieht halt nett aus. Also mich macht der fröhlich, wenn ich ihn sehe.”

Entstanden ist das etwas seltsame Smiley-Symbol vor ziemlich genau 30 Jahren, im September 1982 an der Carnegie Mellon Universität im amerikanischen Pittsburgh. Im Arpanet, dem Vorläufer des heutigen Internets hatte das Institut für Informatik ein internes Diskussionsforum betrieben. Doch statt sich nur über die Arbeit auszutauschen, blödelten die Forscher dort auch fleißig herum. Eine besonders hitzige Diskussion ging um die Frage, was alles passieren kann, wenn sich ein Fahrstuhl im freien Fall befindet, erinnert sich Informatiker Scott Fahlman.

“Würde beispielsweise Quecksilber, das auf dem Fußboden liegt hochfliegen? Welche Form würde es dabei annehmen? – und würde eigentlich ein Vogel, der gerade zufällig im Aufzug rumflattert, die Orientierung? Jemand schrieb dann als Witz die Warnung, dass man doch bitte den linken Aufzug nicht benutzen solle. Nach einigen wissenschaftlichen Experimenten sei er der Fahrstuhl jetzt mit Quecksilber verseucht und außerdem lägen darin einige tote Vögel.”

Ein Vorgesetzter fand das allerdings gar nicht witzig, schließlich hätte so eine Nachricht im schlimmsten Fall gar eine Panik auslösen können. Fahlmans Kollegen suchten nun nach Möglichkeiten, witzige Kommentare sicherheitshalber zu kennzeichnen, beispielsweise durch ein Sternchen in der Betreffzeile. Fahlman selbst starrte lange auf seine Tastatur – und kam beim Anschauen der Doppelpunkt-Taste plötzlich auf die einfache, aber geniale Idee.

“Ich dachte: Mensch. Wenn ich den Kopf auf die Seite lege, dann könnte man damit einen ein lächelndes Gesicht machen. Also hab ich das im Forum vorgeschlagen – und ein paar Wochen später wurde das nicht nur bei uns benutzt sondern auch in anderen Forschungseinrichtungen und Firmen und die Leute fingen an, noch mehr die Symbole zu erfinden.”

Inzwischen sind die Smiley-Symbole längst ein weltweites Phänomen und aus der elektronischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Als Fachbegriff hat sich inzwischen das Kunstwort “Emoticon” eingebürgert, das man vielleicht am besten mit “Emotionszeichen” übersetzen kann. Denn tatsächlich füllen die Emoticons das Bedürfnis nach Emotionen in der ansonsten eher kalt und sachlich wirkenden Schriftsprache. Nötig wurden diese Zeichen, da inzwischen immer mehr spontane Kommunikation elektronisch beispielsweise per E-Mail, per SMS oder in sozialen Netzwerken wie Facebook stattfindet. Doch unsere normale Schriftsprache ist für solche Anwendungsfälle denkbar schlecht geeignet. Schließlich findet im Alltag ein Großteil unserer Kommunikation über nonverbale, also außersprachliche Mittel statt, erklärt der Hamburger Psychologe Philipp Taesler.

“Wir haben eben den Inhalt, der überraschenderweise eher einen kleineren Teil des Gesagten ausmacht. Und dann haben wir die Form, wie das kommuniziert wird. Also über Gesten, Mimik und Intonation. Und das fehlt halt alles in einem reinen Text.”

Smileys können diese Lücke schließen. In Versuchen fand Psychologe Taesler heraus, dass Menschen, von ihrem Gegenüber grundsätzlich als freundlicher und wärmer eingeschätzt wenn sie in Chats oder E-Mails Smileys verwenden Smileys.

“Das zeigt allerdings auch eben sehr deutlich, wieviel doch in so einer reinen Textkommunikation einfach fehlt. Also wie verzweifelt, kann man mal sagen, der Empfänger oder der Leser dann eben bei so einer Textkommunikation ist, und wirklich jede Information aufsaugt um sich dann ein Bild vom Gegenüber zu machen.”

Die Entstehung der Smileys sei deshalb ein ganz normaler Wandel der Schriftsprache um diesen Problemen gerecht zu werden. Und wer über sie partout nicht lächeln kann: Bestimmte Situationen bleiben wohl auch in Zukunft Smiley-freie-Zonen, glaubt Psychologe Taesler. Bei Bewerbungen oder Geschäftsbriefen beispielsweise sind Emoticons nämlich auch weiterhin tabu.